Das Bild des Atatürk.

Nach anstrengenden Flugtagen mit gehetzten Frühstücken, staubigen Auffahrten, malträtierter Wirbelsäule und Snacks zu Mittag, entschieden wir uns, einen Tag den nahegelegenen Ort Fetiyhe zu erkunden. Die Wettervoraussicht tags zuvor war einem Ausflug förderlich. FY hatte sich am Vorabend mit Murat auf ein Bier verabredet. Ich hab parallel dazu die Nacht in der Lounge am Strand mit Blick auf das Meer genossen. Wir konnten ja am nächsten Tag ausschlafen. Wein. Sternenhimmel. Meeresrauschen. Füsse im Sand.

In Fetiyhe wollte ich mir unbedingt noch ein Bild von Atatürk besorgen. Ich neige dazu. In meinem Arbeitszimmer ist bereits eine kleine Galerie – sozusagen – eine kleine Auswahl an Staatshäuptern meiner bereisten Länder gehängt. Längst reicht der Platz nicht mehr für alle.

Nicht immer ganz leicht, sie ausfindig zu machen. Wie zum Beispiel in Libyen. Einmal erfolglos durch ganz Tripolis, kam mir ein Geschäft gerade recht, in dem ein mit Leopardenmuster gerahmtes al-Qaddhafi-Bild hoch über dem Verkäufer thronte.

In Fetiyhe gestaltete sich die Suche nach einem Bild von Atatürk nicht minder schwerer. Man riet uns: Post, Copy-Shop, verschiedene Geschäfte. Und dann kam der entscheidende Hinweis. So sprachen wir am Empfang des Rathauses vor. Nach kurzer Wartezeit holte uns der Bürovorstand ab. Er brachte uns in ein Zimmer, das mir in seiner Einrichtung nur allzu vertraut ist aus früheren Tagen.

Wir sollten vor dem massiven Schreibtisch Platz nehmen. In der zweiten Reihe entlang der Wand hinter uns, eine Reihe verbundener Stühle, auf denen mehrere Männer gespannt dem Geschehen folgten. Wie sich herausstellte, durften wir unser Anliegen direkt dem Bürgermeister vortragen. Nicht von seiner Seite weichend der Büroverstand. Anfangs noch stutzend, fühlte er sich stolz und geehrt meines Interesses.

Zwischen ihm und dem Bürovorstand hing exakt DAS Bild. Zur Verdeutlichung wies ich auf den Kalender. Ohne zu zögern wies er den Büroverstand an, den Kalender abzunehmen. Verliess das Zimmer und kam zurück mit dem transportsicher verpackten Kalender. Ein Kalenderblatt hätte mir schon gereicht, doch der Bürgermeister liess es sich in seiner Selbstverständlichkeit nicht nehmen.

Eine Gastfreundschaft, die ich schon so häufig erleben durfte. Und für die ich immer wieder neu zu begeistern bin.

Auch heute erfreue ich mich über diesen Kalender mit wunderschönen Fotografien dieses eleganten und charismatischen Staatsmannes.

Der Kalender hat natürlich einen Ehrenplatz eingenommen.

Vielen Dank für dieses besondere Erlebnis.

Impressionen