2008 Der Himmel hat Birgit Funk wieder.

Nach schweisstreibender Grundausbildung in Ruhpolding 2007 startete die Flugsaison im Juni 2008 für Birgit Funk am Babadağ in der Türkei. Traumhafte Startplätze, 1700, 1800 und 1900 Meter über Meereshöhe, überragende Thermik und Trainer Murat verhalfen zu atemberaubenden Erlebnissen: dancing with a hawk, Startüberhöhung von über 300 m, gute Starts und gute Landungen direkt am Strand. Leider auch ein Startabbruch und eine Landung mit beinahe-Domino-Effekt in eine Shisha-Menagerie.

Fotos: Birgit Funk \ HMH \ Ölüdeniz Photo Professionals

Anfang Dezember 2007 sass ich also mit Frau K. im Flieger nach Neuseeland. Mitte Dezember X im Flieger in die Türkei. FY wollte, ebenso wie ich, Gleitschirm fliegen. Dazu war er auf der Suche nach einer Ausbildung. Doch, es war ja gerade Winter in Deutschland. Schliesslich fand er den wahrscheinlich besten Ausbilder der Türkei: Murat, ehemaligem Gleitschirmpilot der türkischen Liga. X war noch vor meiner Rückkehr aus Neuseeland zurück mit seiner abgeschlossenen Grundausbildung in der Türkei.

Mein mehr als 20 Jahre alter Flugschein bedurfte einer Auffrischung. Xs Schein die finalen Flüge. So beschlossen wir ein halbes Jahr später, Frühsommer 2008, die Flüge in der Türkei am Babadağ unter der Anleitung von Murat zu absolvieren.

Der Babadağ, was übersetzt Papa Berg bedeutet, thront über einer wunderschönen Badebucht in Fethiye-Ölüdeniz. Man startet – je nach Windrichtung – entweder von Startplätzen auf 1700, 1800 oder 1900 Meter über Meereshöhe. Man landet am Strand. Wir hatten traumhafte Flüge, natürlich auch Startabbrüche, Funkgerät-Ausfall, Aussenlandungen und eine Beinahe-Landung in der Shisha-Menagerie eines Cafès.

Die ca 1,5-stündigen Auffahren auf den Rückbänken des ausgemergelten Geländewagens sind staubig und strapaziös, bevorzugt für die Bandscheiben. Im kleinen Gang ging es für uns zwei- bis dreimal pro Tag hinauf. Es kommt schon auch mal vor, dass wir aufgrund des starken Windes am Startplatz wieder hatten mit dem Geländewagen zurückfahren müssen.

Murat verhalf mir an einem der Tage via Funkverbindung zu einem unvergesslichen Flug unter Ausnützung der Thermik mit etwa 400 Meter Startüberhöhung. Ein Habicht und ich tanzten am Himmel.

X hingegen verhalf mir während dieses Urlaubs während eines weiteren Fluges zu einer verkürzten Flugzeit: Murat, X und ich waren auf dem Hochplateau über der Bucht auf der Suche nach Thermik. Ich hatte noch mehr als reichlich Höhe, um über die vordere Kante ans Meer zum Höhenabbau und der folgenden Landung am Strand zu gelangen. Aus Xs Perspektive muss das wohl kritsch ausgesehen haben und weist mich per Funk in unserer Muttersprache darauf hin mit den Worten: „BiF, das sieht aber gefährlich aus“. Ich denke noch, Glück, dass Murat der deutschen Sprache nicht mächtig ist, hätte er mich doch sonst bestimmt raus aus dem Gelände und raus auf’s Meer geschickt. Doch weit gefehlt. 21, 22, 23 ... Murat: „Bridget, go straight to the sea!“

Thank you X!

Anfangs hatte ich noch einen gemeinen Rachefeldzug von X gegen mich vermutet, hatte er doch den deutlich schwächeren Gleitschirm und musste auch noch mit einem hässlichen knallroten Sturzhelm aus dem Leihbestand fliegen. Ausserdem ist er einen halben Kopf kleiner als ich und er leidet am Kleinenmannsyndrom. X habe ich natürlich - entgegen meinem Naturell - nicht verziehen. Obwohl er immer für ausreichend Landebier gesorgt hat.

Ich habe mich von X in einer Partnerbörse im Internet finden lassen, als noch nicht 'Segeln' in meinem Profil angegeben war. Eine Woche vor Beginn meines 'FS BINNEN unter Segel und Motor'. X ist Golfer. Ich hatte Beziehungen mit Tauchern. Ich hatte Beziehungen mit Fliegern. Ich hatte noch nie eine Beziehung mit einem Segler. Aber noch weniger mit Golfern. Und noch weniger mit Golfern, die auch noch reiten. Golfen ist eines meiner Ausschlusskriterien. Pferde auch. Männer mit Kleinemmannsyndrom ebenfalls. Nicht falsch verstehen: Golfen ist ein schöner Sport. Pferde sind schöne Tiere.

Trotzdem. X ist ehrgeizig und bindungsfähig. Er hat sich mittlerweile mindestens zwei andere Qualitäten antrainiert. So findet er sich im Frühjahr im Theoriekurs 'FS BINNEN unter Segel und Motor' 5 x montags in einem Institut für Erwachsenenbildung wieder. In einem Anfall von Bindungsunfähigkeit irgendwann zwischendurch ist nach 'Segeln' auch 'Paragliden' in seinem neuen Premium-Profil einer Partnerbörse im Internet aufgeführt. Er ist noch immer 49 Jahre, obwohl seine Kollegen ihm schon vor meiner Zeit ein Poster zum 50. gerahmt haben. Von 178 Zentimetern und seinen billigen austauschbaren Weibergeschichten und feigen weissen Westen und Konstrukten, die er trotz seines Prozessors nicht beherrschte und gerne 'heimlich' preisgab, ganz zu schweigen. Nur zu gern hat er fast stolz Hinweise darauf gegeben. Seinen Namen hat er auch getauscht, klang ihm wohl nicht so sophisticated. Jetzt fliegt er auch noch.

Thank you X!